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Home XXV. Der Waxenstein; aus dem Höllenthale an den Eibsee Durchgang an der Riffelwand Alpenfreundliche Absichten des Grainauer Försters
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXV. Der Waxenstein; aus dem Höllenthale an den Eibsee

Ueber die Riffel-Riss nach dem Eibsee und nach Grainau

In weniger als einer Stunde hatte ich die ungeheure Flächen losen Gerölls und Geschiebes hinter mir; ich war herzlich froh, diess wüste Haufwerk, welches im springenden und rutschenden Hinabwege so bald überwunden war, nicht aufsteigend haben bewältigen zu müssen; es wäre ein saueres Stück Arbeit und würde eine unverhältnissmässig lange Zeit in Anspruch nehmen. Im Buschwerk und in der bald daran sich schliessenden Waldregion gab es wohl Pfade genug, die meisten aber verliefen nach der linken Seite gegen den Pass der Thörlen, ein breiterer nach rechts in ein weites, circusförmiges Kar, von Hochwald und dichtem Gebüsche augekleidet, nach seinem Höhenrande in steile Trümmerhalden verlaufend und von den zerklüfteten Wänden des Waxenstein überragt; es führt den Namen der Gemssulze.

Da ich mich durch die querlaufenden Steige nicht aus der Richtung bringen liess, so hatte ich, auf kürzestem Wege mein Ziel erreichend, noch eine starke halbe Stunde pfadlos durch Wald und Gestrüppe mich zu schlagen, gelangte endlich auf die versumpfte Alpwiese des Wasserbühl*), von hier endlich auf gebahnten Wegen auf die Weidegründe des Eibsee-Ufers. Dieser selbst lag bereits hinter mir, ich fühlte mich auch nicht veranlasst, meine Schritte nach ihm zurückzulenken; von den Gipfelhöhen des Waxenstein-Kammes hatte ich einen schöneren Anblick desselben genossen, als sein Strand mir zu bieten vermochte; und das in Grainau zu erwartende Mittagsmahl wirkte nicht minder als kräftiger Magnet. Die letzte, ziemlich langweilige Strecke meiner Wanderung vertrieb mir der Spass an den verschiedenen Partenkirchener Sommer-Gesellschaften, denen ich auf meinem Wege begegnete, und an ihren befremdten Blicken auf mein abgerissenes Aussehen – die Brillen sind eben gar zu verrätherisch.

*) Vermuthlich bezieht sich auf diesen Punkt die Messung Sendtner's: Seealpe, Grainauer, bei Garmishc 4112' 1336 m. – Der Spiegel des Eibsee's liegt nach der nämlichen Quelle 2995' 973 m. hoch.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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