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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 I. Die Südliche Watzmannspitze

Allgemeiner Ueberblick der Berchtesgadener Gruppe

Bleiben wir indessen bei der Berchtesgadener Gruppe, bleiben wir innerhalb der Grenzen der Salzach, Saalach, des Urschlauer [Urslauer Ache] und des Mühlbaches. – Drei vereinzelte Hochplateau-Stöcke sehen wir im Nordwesten der Hauptgruppe vorgelagert: den Untersberg, das Lattengebirge und die Reitalm [Reiter Alpe]. Die Hauptgruppe aber zieht sich in weitem Bogen von Ost nach Süden, Südwest und Westen. Sie beginnt mit einem ausgeprägten Kettengebirge, dem Göll; es steht wie fremd in dieser Alpenwelt, schon in seiner nächsten Nachbarschaft, jenseits des Torrener Jochs, beginnt die Hochfläche, das Karrenfeld. Da dehnt sich das Haagengebirge [Hagengebirge] bis zu den Randgipfeln hoch über dem Blühnbachthal. Dann folgt eine flache Thalung, aber ebenfalls terrassirt, hügelwellig, das Gebiet der Röth am Fusse der Teufelshörner. Gen Süden schwillt es höher an zu den Revieren der Wildalm, an welche mit dem schwachen Kettengliede der Urschlauer Scharte [Torscharte] noch ein gewaltiger Bergstock östlich sich anhängt, mit stundenlangem, firnglänzenden Scheitel, den Culminationspunkt der ganzen Gruppe tragend: die Uebergossene Alp [Übergossene Alm] mit dem Hochkönig.

Westwärts aber verlaufen seine Plattenwellen in jenes bekannteste Hochplateau der Ostalpen, das Steinerne Meer. Es endet im Süden mit gewaltigen Gipfelhäuptern, mit Wänden von mehr als tausend Fuss Höhe über dem Urschlauer [Urslauer] Thale und über dem Mitterpinzgau. Gegen Westen sendet es Ausläufer das Diessbach- und Weissbachthal entlang und seinen Hauptkamm, nunmehr zum Kettengebirge eingeschränkt, hinaus zur Hocheisspitze, zum Kammerlinghorn, auf dem Pass Hirschbichel mit den Vorläufern der Reitalm [Reiter Alpe] sich zu verknüpfen. Ein Bergwanderer, der von den Königsbergalpen am Torrener Joch ausginge, könnte in drei starken Tagesmärschen kaum die ganze Länge dieses riesigen Karrenfeldgebirges bis nach seinem entgegengesetzten Ende, der Hollermaisscharte [Weißbachscharte] oder dem Rothen Wasser*) am Hundstod, durchmessen.

*) [Rotes Wasser: Quelle am Abstieg von der Dießbachscharte ins Dießbachtal (vgl. AV-Karte); südwestlich des Großen Hundstods gelegen.]

Inmitten dieses weiten Kreises von theils zusammenhängenden, theils getrennten Plateaustöcken, strecken zwei Felsenketten schärfsten Gipfelbaues von Süden sich nach Nord: ans Steinerne Meer, an den Pass Trischübel knüpft der Watzmann sich an – ihm stehen östlich gegenüber die Randgipfel des Haagengebirges und ihre Vorstufen. Die tiefe Thalspalte zwischen beiden birgt den Königssee, diesen wahren König unter den Seen der Alpen. Der zweite Querkamm stellt als die unmittelbare Fortsetzung der Kette sich dar, welche vom Nordwestende des Steinernen Meeres ausstrahlt; von der Hocheisspitze nördlich umbiegend, erhebt sie sich zum Hochkalter, dem Watzmann gegenüber. Ungewöhnlich rasch senken die beiden mächtigen Gebirgskämme sich gegen Norden ab; ihre Fuss umrandet das Thal der Ramsauer Ache. Zwischen sich schliessen sie den Schuttstrom des Wimbachthals; im Westen der Hochkalterkette liegt, vom Reitalmgebirge andererseits begleitet, das Klausbach- und Hinterseeerthal. Der Watzmann, das höchste, selbständig erhobene Gebirge, das seiner ganzen Erstreckung nach*) innerhalb deutscher Reichsmarken liegt, bildet den Ausgangspunkt meiner Beschreibungen.

*) Höhere, als der Watzmanngipfel, werden auch von der Reichsgrenze nur im Wettersteingebirge berührt; es sind Schneefernerkopf und Zugspitze; der Hochwanner steht dem Watzmann nahe gleich. Sieht man vom östlichen Zugspitzgipfel ab, welcher als selbständiger Gipfel indessen kaum in Betracht kommt, so ist der höchste Punkt innerhalb der Reichsgrenze die nördliche Watzmannspitze.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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