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Home XXVI. Der Hoch-Blassen Ein erster Versuch misslungen Ueber die Bernadin-Alpe zur Scharte des Gassenthales
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXVI. Der Hoch-Blassen

Peter Klaisl vom Rainthaler Hof [1871]

Am 23. August [1871] sprach ich nach längerer Abwesenheit wieder im Rainthaler Hofe zu und verweilte bei zweifelhaftem Wetter auch den folgenden Tag noch dort. Erst kürzlich war ein Sohn des Rainthaler Bauern – Peter Klaisl ist sein Name, – nach Hause zurückgekehrt; als Landwehrmann war er im Felde gegen Frankreich gestanden und vor wenigen Wochen in die Einsamkeit seiner Berge wieder entlassen worden. Frisches Aussehen, robuster Körperbau, heller, intelligenter Blick und ein offenes, gewinnendes Wesen charakterisirt in ihm den Gebirgssohn, wie man ihn malt, aber slten findet. Auch ihn, der von Jugend im Wetterstein-Gebirge umhergestreift, consultirte ich über den Hoch-Blassen; er währte einige Zeit, bis wir uns verstanden, und über das Objekt meiner Nachfrage einig waren; der Name Blassen läuft hier als Collektivbezeichnung für die Hochgebirgsregion oberhalb des Hinteren Rainthals und jener Gipfel, den ich im Sinne hatte, und dem auch von Rechts wegen der Name Hoch-Blassen zukommt, war meinem Gewährsmanne als Vollkarspitz bekannt.

Ich erfuhr von ihm, dass ein Schafsteig über die Plätze "Am Blassen" bis in's Vollkar führe, dass der Anstieg in jenem bis auf den Hauptgrat, der den Einblick in's Höllenthal eröffne, wohl möglich sei, und man auf diesem Wege bis hart an den Fuss des Hoch-Blassengipfels gelange. Und mehr noch: er erzählte mir, dass er als ganz junger Bursche mit dabei gewesen sei, als die Signalstange auf dem Hoch-Blassen errichtet wurde; allerdings, fügte er bescheiden hinzu, sei diess viel zu lange her, als dass er sich des Weges genau entsinnen und sich vermessen könne, einen Führer auf den "Vollkarspitz" abgeben zu wollen. Das aber wisse er gewiss, dass damals vom Vollkar aus angestiegen worden sei. – Seine Aussagen klangen um ein gut Stück verlässiger, als die Grosssprechereien des Schafhirten in der Bockhütte, und gerne nahm ich sein Anerbieten an, mich nächsten Tages in's Vollkar, und, soferne er den Weg wieder ausfinde, auch bis auf den Hoch-Blassen zu begleiten.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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