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Home XXVI. Der Hoch-Blassen Peter Klaisl vom Rainthaler Hof [1871] Weidegrenzen
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXVI. Der Hoch-Blassen

Ueber die Bernadin-Alpe zur Scharte des Gassenthales

So verbrachte ich denn eine zweite Nacht im Rainthaler Hofe; aber frühe des andern Morgens wurde aufgestanden, die Bäuerin bereitete uns noch einen kräftigen Morgenimbiss und gab uns ihre Segenswünsche mit auf den Weg, nicht ohne die Ermahnung: "Ja nöt z'viel wagen!" – von deren Nichtbefolgung sie selbst wohl innerlich überzeugt war; denn wie ich nachträglich von mehrfacher Seite erfuhr, gilt ihr Peter für einen der verwegensten Steiger im Wetterstein-Gebirge, und auch von mir hatte man im Rainthale bereits einiges gehört. – Es war 4 Uhr Morgens; tiefes Dunkel herrschte noch im Walde, durch welchen wir dem Bodenlahnthale zuschritten; über den Höhen des Wettersteinwaldes erst röthete sich der Himmel; es war ein klarer, wolkenloser Tag.

Die Morgenkühle beschleunigte unseren Gang; dem Rathe Peter's folgend nahmen wir nicht, wie ich es bei meinem ersten, durch Nebel vereitelten Versuche gethan, den geraden Anstieg zur Stuibenalpe, verfolgten vielmehr das Bodenlahnthal bis zur ersten Alphütte und stiegen von hier aus erst nach der Bernadinalpe an; wir hatte dabei geringere Steile und besseren Weg. Auf gutem Pfade erhoben wir uns rasch über den weitzertheilten, vom Kreuzjoch umspannten Thalkessel; im fernen Osten flimmerte der Himmelssaum über den Spitzen des Karwendel, und kurz bevor wir auf die Alpterrasse von Bernadin austraten, leuchtete die Felsenpyramide der Alpspitze, von intensivster Rosenglut übergossen, durch die Tannenwipfel uns entgegen, – ein Bild unvergleichbar schöner Majestät.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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