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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XX. Im Hoch-Glück

Von der Riss an den Achensee und zurück; Alarmirende Gerüchte [1870]

Durch meine Wanderungen in der Riss, welche den Erfahrungsschatz, den ich nach Hause mitzubringen strebte, um die gesamte Karwendelkette, ein ansehnliches Stück der Hinterauthaler Kette und die Querkämme des engeren Riss-Gebietes bereichert hatte, war eine ziemlich lange Stockung in die begonnene Durchstreifung der Vomperloch-Reviere gerathen. Fast volle vier Wochen waren seit glücklicher Ersteigung der Lamsenspitze verflossen als ich zum zweiten Male ihnen mich nahte, nun aus nördlicher Richtung, um einen Gebirgsübergang mit dem Besuche seiner Gipfel zu verbinden. Die Nacht vom 15. auf den 16. Juli [1870] brachte ich in der Hagelhütte am Fusse des Plumser Joches zu. Am verflossenen Tage hatte ich auf den Nebengipfeln des Sonnjochkammes verweilt, einen lieber Freund auf seinen geologischen Aufnahmswanderungen begleitend. Und wieder einen Tag vorher hatten wir gemeinsam zu Pertisau und Jenbach zugebracht.

Die heraufziehende Kriegsfurie begann den Saum des Horizontes zu röthen und ihr flackernder Schein fiel auch schon hier und dort in die friedlichen Gebirgsthäler. In der Riss bereits hatte ich bei meiner Rückkehr aus dem Karwendelthale unbestimmte Kunde vernommen von grossen Dingen, die in der weiten Welt sich vorbereiteten; mehr noch, und theilweise abenteuerlich Klingendes genug von den Touristen, die auf der Rückwanderung über das Plumser Joch mir begegneten. In Pertisau riss man sich um die neuankommenden Zeitungen, und nicht wenige Sommerfrischler rüsteten sich vorsorglich zum Abzuge.

Am 14. ging ich mit Freund N. nach Jenbach hinunter; hier brachten die Tagesblätter soeben die Nachricht von dem Verzichte des Prinzen von Hohenzollern, und man hielt die Gefahr, momentan wenigstens, für beschworen. Ruhe breitete sich wieder über die aufgestörten Touristenschwärme und auch ich trat, als der sonnenhelle Abend einen günstigen Witterungswechsel verhiess, unbedenklich eine neue, mehrtägige Bergwanderung an. Vom Bettelkar- und der Lachwaldspitze (im Sonnjochkamme) stieg ich herab zur Hagelhütte, während Freund N. nach Pertisau zurückkehrte; mit den Gesellen des Vomperloches einen Gang auszufechten, dazu musste ich allein bleiben mit meinen Eisen. Nachtquartier erhielt ich in der Hagelhütte und im Morgengrauen des 16. Juli trat ich den Marsch nach der Eng-Alpe an.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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