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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXI. Verirrt im Vomperloch

Das G'richt-Alpel

Wenige Schritte, nachdem der Weg wieder zu ebener Bahn übergegangen, schimmerte durch's Tannendunkel ein grüner Wiesenplatz mir entgegen; und ich trat auf eine etwa 50 Schritte breite, grasreiche Lichtung aus; ein verfallener Zaun und neben demselben ein alter Kirschbaum, weist darauf hin, dass hier einstmals die Stätte einer menschlichen Wohnung gewesen sei. Die Hirten des Haller Anger nennen diesen Platz das "G'richt-Alpel"*).

*) "Hier theilen sich die Wege", sagen die Hirten des Haller Anger, sagt der Jäger in Vomperberg; "hier ist aller Weg zu Ende", muss ich dem Bergwanderer sagen, den sein Unstern in's Vomperloch oberhalb des Zwerchbaches führt. Wie es an der linken Thalseite mir erging, wo der Weg über die Katzenleiter zum Jägerhütt'l im Zwerchbach führen soll, wird im Folgenden näher beschrieben werden. Hier sei nur bemerkt, dass ich ein zweites Mal, zu eben dem Zwecke, den richtigen Weg zu erkunden, die Durchwanderung des Vomperloches versuchte. Ich war dieses Mal mit den genauesten Anweisungen versehen, denen zufolge ich vom G'richt-Alpel (für Orthographie dieses Namens kann ich nicht einstehen) sogleich zum Vomperbach abstieg, denselben durchwatete, jenseits den Steig, der völlig verschwunden war, wieder auffand und nach ein paar Minuten ihn abermals verlor. Dass nicht leichtfertige Uebereilung die Schuld hieran trug, wird Jeder, der die nachfolgenden Seiten liest, mir auf's Wort glauben. Es blieb mir nichts übrig, als im steilen Wald- und Buschgehänge der rechten Thalseite so lange gerade aufwärts zu klimmen, bis ich die Walder Alpe, d.h. den Gebirgsscheitel erreicht hatte; der Umweg betrug etwa 3 Stunden und es wäre dieses das einzige Auskunftsmittel, welches ich dem Bergwanderer anempfehlen könnte, der führerlos in diesen verwunschenen Erdenwinkel geräth. – Vergleicht man mit dem Vomperloch das Gebiet der Riss, mit Reitwegen und parkartig angelegten Fusspfaden so verschwenderisch ausgestattet, so dürfte es wohl als erlaubt erscheinen, einem Wunsche Ausdruck zu verleihen: Möchte doch der hohe Jagdherr der Riss, Herzog Ernst von Coburg, der ja auch anderwärts so gerne Interessen fördert, welche nicht einzig und allein auf das edle Waidwerk abzielen, auch einmal diesen Theil seines Jagd-Revieres, das Vomperloch, mit einem bescheidenen, aber doch kennbaren Steiglein beschenken! Bei dem Umstande, dass von der Au bis zu G'richt-Alpel der Pfad bereits gebahnt, und eine lange Strecke gebahnten Pfades an der südlichen Thalseite vom Wege nach dem Jägerhütt'l aus deutlich sichtbar ist, dürfte die Herstellung der Zwischenstrecke, just an der Ueberschreitungsstelle des Thales, ohne Schwierigkeit und vermuthlich mit der Arbeit weniger Tage ausführbar sein.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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