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Home XXVI. Der Hoch-Blassen Stellung des Hoch-Blassen gegenüber der Alpspitze; seine Bedeutung für den Rainthaler Kamm Ein erster Versuch misslungen
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXVI. Der Hoch-Blassen

Sein Doppel-Gipfel; Zweifel bezüglich des Weges nach seinem Fusse

Auf meiner ersten Bergtour im Wetterstein-Gebirge, deren Ziel die Alpspitze gewesen war, hatte ich bereits den Hoch-Blassen mir betrachtet, gewünscht, möglichst bald auf diesem mächtigeren Gipfel zu stehen. Von seiner, mir zugewendeten Nordostseite schien er kaum anzugreifen, und auch die Ansichten, die während der nächstfolgenden Wanderungen, vom Gatterl, vom Schachensee, – vom Riffelthor aus mir wurden, trugen nur dazu bei, die Zweifel und die Bedenken zu mehren, keine, auch nur theilweise Lösung der wichtigsten Vorfragen wurde mir durch sie zu Theil. Felsenkahl erschien die ganze Umgebung, mauerschroff der ganze Bau dieses Gipfels. Hatte von der Alpspitze aus sein Nordost-Gehänge mir nicht gefallen, so wies die Südwestseite mir völlige Steilwand; und auch die Profilansicht der Gipfelmasse, wie sie auf der Riffelspitze des Höllenthals sich mir darbot, zeigte dieselbe als schlanke Spitze, östlich etwas minder steil als westlich.

Und noch eine zweite Sorge war's, die während dieser Betrachtungen sich mir aufdrängte: Wenn die nördliche, auf dem Hauptgrate stehende Spitze erreicht, – ist dann auch der Culminationspunkt gewonnen? Rivalisirt nicht die südliche Kuppe mit ihr, – überragt sie nicht etwa gar ihre Nachbarin? Ein seltener Fall allerdings in der Kettenstruktur des Nordtiroler Gebirges, dass Gipfel ausserhalb des Hauptkammes liegen; indess bleibt die gegentheilige Regel doch nicht ausnahmslos, im Karwendelgebirge hattte ich das erfahren. Und lag dort der Gipfel, dann mochte der Himmel wissen, wie auf ihn gelangen. Eine andere, als die Verbindung des tief durchspaltenen Grates bestand zwischen beiden Häuptern nicht.

Die über den Hoch-Blassen eingezogenen Erkundigungen ergaben, wie gewöhnlich, ein negatives Resultat; obwohl auf der nördlichen Hoch-Blassenspitze seit vielen Jahren eine Signalstange steht, wusste doch Niemand, wer sie hinaufgebracht, und von welcher Seite er hinaufgekommen. Nun, letzteres musste sich wohl finden, stand ich einmal am Fusse des Gipfels selbst, und ich hatte nicht einmal eine Fehltour, einen verlorenen Tag zu besorgen, im Falle ich die falsche Seite traf; denn von der Riffelspitze aus hatte ich wohl erkannt, dass man das Steilmassiv des Gipfels nach der Höllenthalseite in kurzem Bogen zu umgehen vermöge. Ein Aussuchen des Weges jedoch über die weitgespannten, überall von steilen Wandstufen, schroffen Felsrippen durchsetzten Flanken des Schönbergs und der Blassenplätze bis auf den Hauptgrat, erschien als ein höchst zeitraubendes, seinem Erfolge nach sehr unsicheres Unternehmen, zumal da, wie vorhin bemerkt, die Horizontalerstreckung dieses Weges der ganzen Länge des Thalweges von der Bockhütte bis zum Anger gleichkommen sollte.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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